Lyrisches

Lyrisches · 25. November 2018
Inmitten der Dinge Ich bin entzwei geschnitten. Es ist vorbei, vorbei. Du hast nun ausgelitten. Dein Atemstrom ist frei. Nicht länger in dem Körper, dem es an Kraft gefehlt, zurück im einen Odem, der diese Welt beseelt. Und wenn der Wind nun säuselt, und Sturm die Zweige biegt, wenn Meeresgischt sich kräuselt und Schnee auf Dächern liegt, wenn Winterfeuer rauchen und Licht aus Sternen fällt, so höre ich Dich hauchen in dieser guten Welt. Ich bin entzwei geschnitten. Doch nicht allein,...
Lyrisches · 20. November 2018
Schon wird es Nacht. Lass alles los. Ein leises Beten wird Dir sanft die Hände falten. Schau in Dein Herz. Es ist so groß, es kann die ganze Welt mit ihrem Kummer halten. In Dir ist Licht ohne Gestalt, das sich stets weitet wie die Zeit die Jahresringe. Es schenkt sich ganz, stürzt ohne Halt durch Deine Brust ins Herz der sehnsuchtsvollen Dinge. Dort steht es auf. An jedem Tag. Beschenkt mit Trost und Leben nähren wir den Andern. Und finden dort was in uns lag. Die lichte Gottheit und ihr...

Lyrisches · 27. September 2018
Vorübergehende Ein jeder Herbst stellt Dir die eine Frage: Was einst dem Hunger Deiner Hände bleibt. Was schmiegt sich in das Gold der Lebenswaage da Dich die Zeit aus jedem Paradies vertreibt? Und fragt das Laub Dich nicht, das rot im Fallen sein Sterben feiert, ob es Dir gelingt die Endlichkeit zu tragen, die in Dir und allen als Gottes zart gewordne Stimme singt? Und fragt der Sturm Dich nicht, der in den Zweigen als strenge Ernte durch die späten Äpfel fährt, ob Du es wagst, Dein Haupt...
Lyrisches · 21. Juni 2018
Alle Dinge breiten ihre Schwingen, geben ihre Herzenskammer preis. Nur ein ungezähmtes Meer kann singen, was die Möwe, was die Muschel weiss: Nur die offne Wunde kann gesunden, nur der Riss im Dunkel ruft den Stern. Nur die Hoffnung bricht das Glas der Stunden, sieh, die Ewigkeit war Dir nie fern. Nur die offne Erde kann empfangen, wenn der Samen in ihr Dunkel fällt. Nur das offne Herz fühlt dies Verlangen, Schoß zu sein für eine neue Welt. Alle Dinge breiten ihre Flügel, geben ihre...

Lyrisches · 20. Juni 2018
Es liegt in allem was lebt ein inniges Beten, auch Blume und zitternder Grashalm, zertreten am Fuß des Wanderers, sind Andacht und Preis. Wohnt der Sturm in den Pappeln die ächzen und rauschen? Oder liegt am Fuße der Bäume ein gütiges Lauschen? Die Heimat, um die alles Lebende weiss? Oft lag ich in den Wiesen mit dunkelnden Träumen, beweinte den schmerzlichen Riss, dies Versäumen, wenn Sturm und Pappel die Anderen sind. Doch stürzend, bis unter die Wurzeln und Tiefen, allein mit den...