Zu Gast
Lyrisches · 12. Januar 2021
Mein Morgen gehört der Taube auf dem Dachfirst, die ruft und wartet, und sich mit gekreuzten Flügeln geduldig unter regenschwere Wolken schmiegt. Mein Mittag gehört dem Rauschen der Pappeln am Wegkreuz, dort wo sich drei Linien treffen wie das Gestern und Heute und ein Morgen, das uns noch erträumt. Mein Abend gehört dem Schatten unter den Tannen, der wächst und wandert und mit rußschwarzen Fingern unzählige Namen in verschwiegene Erde schreibt.
Jahresende
Lyrisches · 31. Dezember 2020
Ich lege dieses Jahr und seine Schmerzen, und seine laut gewordne Müdigkeit in tiefe Erde, zu den edlen Erzen, in mütterliche Winterdunkelheit. Ich löse alle Fäden meines Bangens in dieser Welt sei jeder stets allein, vor mir die Spur des innigsten Verlangens, ein Mensch im All der Menschlichkeit zu sein. Ich träume, mich wie Wurzeln zu verzweigen, den Gräsern gleich zum Himmel aufzusehn, mich vor der Stille tiefer zu verneigen, in alle Dinge lächelnd heimzugehn....

Von Krippe, Kirchenschuld und der Kakophonie der Anti-Gender-Debatte
Kritisches · 29. Dezember 2020
In diesen Tagen habe ich von Kirche oft gehört, wir sollten uns den Einsamen widmen, sie nicht vergessen, sie anrufen, ihnen schreiben, ihnen mit Maske aus der Ferne zum Balkon raufwinken. Und ja, daran gibts nichts zu mosern, denn Einsamkeit ist jedes Jahr aufs neue eine Tragödie, und in diesem Jahr sicher noch mehr, und ich bin dankbar für jeden Menschen, der die Einsamkeit des anderen mitdenkt, mitfühlt und sich da in der Verantwortung sieht. Aber ich denke jedes Jahr aufs Neue, wieviel...
Dissonanzen, Gottes Weltkörper und ein Weihnachtsgruß
Biblisches · 24. Dezember 2020
In diesen Tagen empfinde ich so etwas wie Dissonanz. Dissonanz, das ist zunächst Missklang, da passt etwas nicht zu einem anderen und bereitet einem Unbehagen. (Liebhaber*innen der Neuen Musik mögen mir den Traditionalismus dieser Analogie verzeihen). Die Dissonanz befällt mich bei jeder Gelegenheit. Nehmen wir die Coronakrise: Ich sehe Politiker, die zugunsten des Infektionsschutzes massiv in das Privatleben der Bürger*innen eingreifen, die sinnvollerweise darum bitten, private Kontakte...

Kritisches · 12. Dezember 2020
In Deutschland sind bis heute 21.064 Menschen an Covid verstorben. Hinter jedem dieser Todesfälle steht eine persönliche Geschichte, von der wir nicht wissen. Hinter jedem Toten Trauernde. Menschen, die jemanden unwiederbringlich verloren haben, Menschen die vielleicht bis zum letzten Atemzug ihres Liebsten warteten, hofften, bangten oder völlig im Ungewissen blieben. Menschen, die sich nicht verabschieden konnten. Kinder von ihren Eltern, Eltern von ihren Kindern, Männer und Frauen von...
Veröffentlichungen · 02. Dezember 2020
Hunderttausende Menschen freuen sich jedes Jahr wieder auf ihn: Seit über 20 Jahren begleitet Der Andere Advent vom Vorabend des ersten Advent bis zum 6. Januar mit Texten und Bildern durch die Advents- und Weihnachtszeit. Die Wochentage der Kalenderblätter eröffnen vom 28. November bis zum 6. Januar eine bunte Mischung aus Gedichten, Geschichten und Erzählungen Heute findet Ihr im Anderen Advent ein Nachtgebet von mir, und ich freue mich darüber, in diesem traditionsreichen Kalender...

Veröffentlichungen · 02. Juli 2020
Beschreibung der Folge Heute ist der Markt an religiösen Deutungsangeboten riesig und global, umso mehr stellt sich die Frage: Hat eine Religion recht? Oder ist die Wahrheit größer als alle Einzelreligionen? Aber warum gibt es die dann noch? Das frage ich Giannina Wedde, Coach und Mystikerin, die sich als Christin bezeichnet und zugleich in vielen Religionen zu Hause ist. Das war in ihrem Leben allerdings nicht immer so…
Veranstaltungen · 30. Juni 2020
Das erste Seminar seit Monaten, seit dem Coronaausbruch und dem gefühlten Stillstand der Realität, wie wir sie kennen, liegt nun hinter uns. So verbrachten wir gemeinsam auf dem Schwanberg in Franken einige Tage, um wieder ein wenig Begegnung zu geniessen, uns auszutauschen, zusammen zu meditieren, in der Natur auszuruhen und mit einem weiten Blick über den Tellerrand der Gewohnheit und der Konfessionsgrenze auf Maria als lebendige archetypische Figur zu schauen. Ein bisschen mulmig war uns...

Kritisches · 20. Mai 2020
Ein lieber Freund sagte neulich zu mir: "Weisst Du, was mir mehr Angst macht als das Virus? Die Menschen. Die Menschen, die hamstern, die Menschen, die Schlägereien wegen Masken anfangen, die Menschen, die lautstark demonstrieren und schreien, dass sie in einer Diktatur leben, die Menschen, die sich einen Dreck um Hygiene- und Abstandsregeln scheren." Als Risikopatient hat er großen Respekt vor dem Virus, die grösste Angst macht ihm aber etwas anderes, denn: das Virus ist neutral. Es mag...
Gebete · 18. April 2020
Ich nehme die Vergangenheit in mein Herz, die zu mir gehört und die ich nicht ändern kann. Ich nehme die Gegenwart in mein Herz, die ich forme, mit schöpferischen Händen.Ich nehme die Ungewissheit in mein Herz,das Neue, das mich erstauntdas Fremde, das mich irritiert.das Morgen, das ich nicht kenne,die Dinge, die ich nicht ändern kannund die angenommen sein wollen.Ich nehme die Welt in mein Herz,mit ihrer Schönheit und ihren Gaben,mit ihren Fragen und Wunden,mit den Menschen, die darin...

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