Auslese

Auslese · 01. November 2019
Die Menschen, die mich am tiefsten berührt und bewegt haben, das waren nicht diejenigen, die von Erwachen sprachen, nicht diejenigen, die Gott verkündigen, nicht die, die mir erklären wollen, wie mein Leben in Ordnung kommt. Es waren nicht die, die den Anspruch hatten, mich zu heilen, oder solche die glaubten es besser zu wissen. Es waren nicht die, die auf alles eine Antwort haben und auch nicht die, die jede schmerzliche Situation überlegen anzulächeln trachteten. Es waren keine...
Auslese · 19. April 2019
Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen. Die erste und tiefste Wunde des Menschen: die Trennung. Dem Dunkel des bergenden Mutterschoßes entrissen. Getrennt von der Schnur, die uns vereinte. Getrennt vom Empfinden, Welt zu sein. Getrennt vom Freund, der geht, vom Geliebten, der uns verlässt, getrennt vom Glauben, der unerschütterlich schien, und von der Freude, die kein Ende ahnen liess. Getrennt von uns selbst in tausend inneren Kämpfen. Alles Werden ist ein Werden in die...

Auslese · 18. April 2019
es leuchtet erst der liebe ein dass unser knie zu beugen uns aufrichtet zu unserer wahren gestalt. und erst die liebe heisst begreifen dass jedes wort in dem wir unsere heimat suchen am du geduldig wachsen muss. und da die liebe auf das kleine und auf das suchen aller schritte blickt schaut sie den himmel in der mitte aller dinge.
Auslese · 21. Dezember 2018
Wintersonnenwendezeit Das Licht kehrt zurück. Nun lass auch Du das alte Dunkel hinter Dir. Leg Deine Trauer in das Wunder jedes Morgens. Auch die Tage Deiner Seele werden länger. Erlaube Deinen Kräften, anzuwachsen, bis sie wie Gräser aufrecht in der Sonne stehen. An jedem Umkehrpunkt beginnt das Leben mit neuer Lust um Dich zu werben. Brich auf. Es ist Zeit.

Auslese · 28. September 2018
Wo willst Du Deine Müdigkeit hinlegen wenn nicht in Gottes Ruhen, wohin Deinen Eifer wenn nicht in die Stürme des Herbst. Wo knurrt Dein Hunger wenn nicht im Brennen der Fragen, wo seufzt Deine Reue wenn nicht an den steinernen Türmen der Versäumnisse. Du bist nicht Innenwelt, Du liegst ausgestreckt über der wunden Erde, weizengelb bist Du den Raben ausgesetzt, und die Sohlen der Menschen ebnen Wege auf Deiner Haut. Du bist Welt, die sich die Pforte zum Alleinsein zugesperrt hat, aus Liebe...
Auslese · 17. August 2018
Wir haben die Hände zahllose male nach dem Rettenden ausgestreckt, das wir hinter überwältigender Größe und zwingender Macht erwarteten - nicht nur unsere Religionen, auch unsere Heldenfantasien sind voll davon. Wie oft aber sind wir dabei ins Kleinste gefallen, hinein in die Ohnmacht des Schwachen, hinein in die Zweck- und Nutzlosigkeit des Schönen, hinein noch in die Arglosigkeit und Unschuld, die nichts von unseren Kämpfen weiss. Und fühlten dabei: das Rettende ist längst da,...

Auslese · 07. August 2018
Dank ist ein leiser Vogel. Er wacht im Blick, der staunen kann. Er baut sein Nest unter den hängenden Gärten argloser Gegenwärtigkeit. Seine Flügel, die starken, breitet er auf den Zweigen des Wartenkönnens. Er kreist an Himmeln aus denen atmende Weite wie Regen in offene Sinne fällt. Über den goldenen Ähren, und unter erloschenen Sternen, zwischen zwei Händen die einander suchen wandert wie betend sein Lied.
Auslese · 14. Juli 2018
Nimm die Welt in Dein Herz. Lass sie für einen Atemzug in Deiner Leibesmitte kranken. Umspanne sie mit Deiner dünn gewordnen Haut als Zelt, in dem sie ihre Wunden salben kann. Alle Lasten ihrer ungesagten Worte bewahre tief im dunklen Schweigeraum. Vielleicht bist Du der Welt in ihrem schweren Wandern die lang ersehnte Ruhekammer. Vielleicht liegt morgen schon auf ihren selbstvergessnen Schritten der Segen Deiner Gegenwärtigkeit.

Auslese · 19. Juni 2018
Sprich Dein Dankgebet nicht wie einer der Münzen zählt, nicht wie einer der argwöhnisch träumt von Nächten ohne Kissen. Schenke Dein Dankgebet wie einen Kuss auf den Wundrand des Tages, mit einem himmelweiten Herzen das den Schmetterling des Morgens lockt.
Auslese · 15. Juni 2018
Alles ist Weg. Jeder Tag stellt seine eigenen Fragen, jede Begegnung fügt die Schritte vieler zusammen, jede Aufgabe schmiegt sich neu in Deine Hand. Richte es Dir nicht im Bestehenden ein, werde nicht schläfrig am Wieder-und-Wieder, kein Mensch ist derselbe, den Du gestern noch sahst, und die gestrigen Worte liegen heute schon schief in Deinem Mund. Alles ist Weg. Auch Dein Arbeiten, auch Dein Ruhen, und die Träume dazwischen, die flüstern: Jede Ankunft zieht Kreise, nach oben zum rufenden...

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