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Wie ein Wort, das das Gewicht der Liebe nicht halten kann

Es gab eine Zeit, als Menschen ihr Ohr ehrfürchtig an die feuchte Erde und den windschiefen Baum legten, in denen sie das Heilige atmen hörten. Spuren aus Schlamm, Blut und Regenwasser auf wettergegerbter Haut zeugten ebenso davon wie die verschachtelten Gedankenwelten zahlreicher philosophischer Pantheistinnen.  

 

Auch diese Zeit gab es, in der wir Gott in die Innenweltlichkeit bannten, in der wir, um dem Heiligen zu begegnen, glaubten uns vom Lärm der Welt abwenden und in unser Innerstes neigen zu müssen. Um das Unsagbare zu berühren, erlernten wir das Schweigen. Um das Unsichtbare zu kosten, erlernten wir die Augen vor den Erscheinungen zu verschließen. In unseren Bänken, auf unseren Kissen und unter unseren Lidern nahmen wir an, jenem zu begegnen, das in, doch nicht von dieser Welt ist.

 

Wo ist das Heilige jetzt? Nachdem es ausgestreckt bis in die reisenden Sporen auf moosgrüner Rinde war? Wandernd unter unseren nackten Sohlen?

 

Wo ist es nun, nachdem es in der Ebbe unserer Innenweltlichkeit aus allen Wunden und Klüften der Erde verschwinden und Zuflucht in unserer Herzhaut nehmen musste? Immer ein Mantra, ein Schweigen, ein Lassen entfernt von unserem Begreifen?

 

Ich sehe das Heilige, aufstehend in den Zwischenräumen, die ihre eigenen Geschichten schreiben. In den Prophetien, in denen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ihre Plätze tauschen und die Nichtzeit uns wie eine kosmische Erschütterung aus den Koordinaten unserer Normalität vertreibt. In den Dunkelheiten, denen mit Licht nicht zu trotzen ist, doch mit Ekstasen, mit Liturgien des Selbstverlustes. In den Rissen, die bisweilen das einzige Gesicht einer sich erschaffenden Weisheit sind.

 

Ich sehe das Heilige, verwildernd inmitten unserer ohnmächtigen Versuche, es hinter gedachten Grenzen von innen und außen einzuhegen. Wie lebendige Wasser, an deren Grund die schwarzen Partikel zahlloser Identitäten treiben. Instabil, weich, beweglich und selbstverschwenderisch. Wie ein Wort, das das Gewicht der Liebe nicht halten kann.

 

Nicht außen. Nicht innen. Nur Werden. Atmende Verwobenheiten. Kommendes, das sich aus Abgründen und Ratlosigkeiten, aus morgendlicher Frühe wie aus dem verwundeten Körper des Menschlichen und Nichtmenschlichen ins Leben ruft. Tanzend auf den Trümmern unserer Träume von Ankunft.

 

Nur Werden. Dein leises Begehren, das jeder Fülle und jedem Alter trotzt - Dein unermüdlicher Atemstrom: sie wissen es längst.

 

FROHE OSTERN.

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Kommentare: 2
  • #1

    Klara mea (Sonntag, 05 April 2026 18:40)

    Wunderbare Worte für das Wunder in dem wir lebendig sind. Danke! Schön!

  • #2

    Heidi (Mittwoch, 08 April 2026 07:51)

    Deine Worte können das Gewicht der Liebe beschreiben,
    für mich hörbar, begreifbar, neugierig machen .
    Zumindest Ahnung geben und hungig werden lassen.
    Danke

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